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30. Süßigkeiten und ein bisschen Achtsamkeit ;-)

Eins vorweg. Auch hier gibt es kein richtig oder falsch. Es geht darum gute Gewohnheiten zu etablieren. So zum Beispiel, wenn du ständig zur Ablenkung vor dem Fernseher zwei Tafeln Schokolade isst. Dann könnte es sinnvoll sein, diese Gewohnheit zu ändern. Allerdings ist es auch vollkommen normal ab und zu über die Stränge zu schlagen. Das wird dann auch sicher nicht ständig vorkommen.

Ein Beispiel: Du hast eine Woche, in der du unglaublich viel leisten musstest. Psychisch und physisch. Jetzt kann es eine ganz natürliche Reaktion deines Körpers sein, dass du einen Heißhungeranfall auf Süßes bekommst. Nimm das hin, solange es keine Gewohnheit ist. Dein Körper hilft sich und dir in dem Moment.

Ich selbst hatte schon mal so ein Aha-Erlebnis. Ich habe mich gewundert, warum ich so unglaublichen Hunger auf Süßes habe. (Und ich bin noch nicht mal der Süßigkeiten-Junkie.) Ich habe dem dann nachgegeben, weil ich dachte: „Mein Körper wird schon wissen was er tut.“

Und dann habe ich mal meine Fitness-Uhr gecheckt und bin meine Woche noch mal durchgegangen. Und siehe da, es gab Gründe:

·      Es war die zweite Hälfte meines Zyklus und hier ist der Energiebedarf immer höher.

·      Ich hatte hauptsächlich nur Gemüse gegessen und somit insgesamt wenig Energie zu mir genommen.

·      Ich hatte dabei jeden Tag 15 000 Schritte zurückgelegt.

·      Ich habe insgesamt die Woche über viel erledigt und auch psychisch geleistet. (Unser Hirn verschlingt bei Anstrengung Kohlenhydrate.) (20)

 

Mein Körper hat also, um funktionieren zu können genau das richtige getan. Mich aufgefordert sofort Energie zu liefern. Hätte ich dem nicht nachgegeben, wäre ich irgendwann sicherlich in einem Heißhungeranfall gelandet, wo ich dann nachher deutlich mehr als eine Tafel Schokolade gegessen hätte.

Hier wird glaube ich auch deutlich, wie man sich durch ständige Kontrolle und mangelndes Vertrauen in den eigenen Körper eine Essstörung anerziehen kann.

Es gilt zu unterscheiden. Esse ich, weil ich mir dumme Gewohnheiten gezüchtet habe und generell zu süß esse oder gibt es wirkliche Gründe. Das kannst du schon daran erkennen, dass du dich nicht abhängig fühlst von Süßigkeiten. Du dich zum Beispiel befriedigt und gut fühlst, nachdem du Süßigkeiten gegessen hast. Und daran das du wirklich genießen kannst.

Aber bitte bleibe entspannt, durch das ab und zu über die Stränge schlagen ist noch niemand krank geworden.

Süßigkeiten dürfen unbedingt sein. Es gibt keine Verbote. Süßigkeiten erfüllen ihren Sinn. Sie bieten Genuss. Und als Genussmittel sollen sie in der Ernährung auch ihren Platz finden.

Ich zeige dir eine Möglichkeit wie. Denn ich verspreche dir, wenn du genussvoll Süßigkeiten isst, dann kannst und willst du keinen Berg davon essen. Du hast dann keinen Genuss mehr.

 

Zu diesem Anlass hier eine Schokoladenmeditation:

 

 

Eine kleine Genussübung für jeden Tag…

Die folgende Übung ist als Rosinenübung bekannt und in mehreren Büchern in unterschiedlicher Form zu finden. Sehr gut eignet sich aber auch Schokolade. Am besten probierst du die Übung mit den unterschiedlichsten Lebensmitteln aus. Vielleicht ist danach ein weiteres Stück gar nicht mehr notwendig.

 

1. Schritt

Lege ein Stück Schokolade in deine Hand und betrachte sie.

Schau dir die Schokolade an, als hättest du vorher noch nie Schokolade gesehen. Welche Oberfläche und Farbe hat sie?

Spüre wie die Schokolade in deiner Hand liegt. Wie fühlt sie sich auf deiner Haut an? Welche Gedanken, Gefühle und Bilder kommen in dir auf?

 

2. Schritt

Führe nun die Schokolade zu deiner Nase. Wie riecht sie? Welche Aromen kannst du riechen? Welche Gefühle entstehen in dir, wenn du an der Schokolade riechst?

 

3. Schritt

Nun lege die Schokolade auf die Zunge. Noch nicht kauen!  Einfach nur auf der Zunge liegen Kannst du bereits etwas schmecken? Riechst du etwas? Welche Gedanken und Gefühle kommen in dir auf?

 

4. Schritt

Nun beginne ganz langsam die Schokolade zu lutschen. Langsam zerschmelzen lassen. Bleib voll konzentriert. Lege zwischendurch eine Pause ein. Was schmeckst du? Kannst du unterschiedliche Konsistenzen oder Aromen schmecken?

 

5. Schritt

Nun kannst du die Schokolade hinunterschlucken. Was verändert sich? Beobachte wie langsam der Geschmack nachlässt. Nimm wieder deine Gedanken und Gefühle wahr. Versuche nun zu spüren, wie dein Körper um das Gewicht der Schokolade zugenommen hat.

Dieses Stückchen Schokolade hat dir gerade geholfen achtsam zu essen.

(Vgl. Auer, Jochen; Seeger, Norbert: Abnehmen durch Achtsamkeit – Das 8-Schritte-Programm zum Wohlfühlgewicht. München 2014)

 

Auch unabhängig vom Thema Essen ist diese kleine Achtsamkeitsübung so wertvoll, um Achtsamkeit in den Alltag zu bringen. Denn Essen müssen wir sowieso. Also warum nicht beides miteinander verbinden. Bauen wir doch einfach immer etwas mehr Achtsamkeit in unseren Alltagsstress ein und schlagen somit zwei Fliegen mit einer Klappe.

Mal kurz die Zeit anhalten im stressigen Alltag.

 

Frage dich beim Süßigkeiten essen, immer erst einmal: Brauche ich jetzt überhaupt noch ein Stück? Will ich das jetzt nur noch weiter essen, weil es da ist. Dann denke daran: Du kannst dir das Stück für später beiseitelegen. Versuche mal beim Süßigkeitenverzehr den Punkt zu schmecken, ab dem es nicht mehr so gut schmeckt.

 

Zusammenfassung

 

·      Es gibt keine Verbote!

·      Es gibt kein richtig oder falsch!

·      Genuss ist wichtig. Süßigkeiten sind Genussmittel.

·      Sei bewusst und achtsam. Dann kannst du dir sicher sein, dass du deine Süßigkeit genossen hast. Und somit ja sie einen wertvollen Sinn für dich erfüllt. Du hast genossen.

·      Sich Genuss zu verbieten, kann zu Heißhunger auf Süßigkeiten führen.

·      Jedes Lebensmittel, was du bewusst und genussvoll isst erfüllt in diesem Moment einen wertvollen Zweck.

 

·      Es geht nicht um Kontrolle, sondern um Achtsamkeit!

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