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10. Beobachte dich!

Wagen wir uns nun zum nächsten Schritt vor. Eine erste Bestandsaufnahme zu deinem Essverhalten.

Hierzu ein paar Worte:

Bitte wende dich von allen Vergleichen und Vorbildern, die du im Kopf hast, wie ein „normales“ Essverhalten auszusehen hat, ab.

Dies ist der Ist-Zustand. So ist es jetzt. Punkt. Mit dieser Einsicht und der vollen Annahme des Ausgangszustandes beginnt der erste wichtige Schritt. Die wahre Veränderung.

Bedenke bei allem Vergleichen und Vorbildern, die es angeblich besser machen immer: Du kennst nicht die Hintergründe und andere ebenso wenig deine. Auch wenn wir uns oft anmaßen, über andere und deren Leben urteilen zu können, leben wir doch sehr beschränkt in unserem Mikrokosmos. Glaube mir, ich kenne die vergleiche (gerade als Mutter) sehr gut. Und das kannst du mir auch glauben, das Bild konnte noch nie dem Bild standhalten, was ich mir von anderen gemacht habe.

Sieh es mal so: Wir haben alle 24 Stunden zur Verfügung. Allerdings alle andere Voraussetzungen und Rahmenbedingungen. Du weißt nicht, wieviel Unterstützung die erfolgreiche berufstätige Mutter, die auch noch regelmäßig zum Sport geht und selbst immer die gesündesten Brotdosen dabeihat, in ihrem Umfeld hat. Oder auch welchen Wissens- und Erfahrungsschatz sie vielleicht genau bei dem Thema mitbringt. Zum Beispiel aus dem Elternhaus. Oder sie legt einfach auf dieses Thema großen Wert und deshalb läuft das gut, bei dir funktionieren aber andere Themen, die vielleicht bei der super ernährten Mutter überhaupt nicht funktionieren. Einfach weil ihr andere Prioritäten, Vorlieben oder Rahmenbedingungen etc. habt. Niemand ist auf allen Ebenen gut aufgestellt. Irgendetwas läuft immer gut und etwas anderes nicht so gut. Jeder Mensch hat Entwicklungspotential, sonst wäre er ja übernatürlich. Das ist ein fiktives Beispiel von allen. Aber wir kommen keinen Schritt weiter, wenn wir nicht ehrlich zu uns sind und uns stattdessen mit Menschen vergleichen, die nichts mit uns zu tun haben.

Und schon gar nicht hat dein Essverhalten mit mangelnder Disziplin zu tun. Du hast keine Schuld. Ich erlebe es immer wieder genau andersherum. Die sehr disziplinierten, die sich sonst im Alltag wenig gönnen oder zu wenig für sich selbst sorgen, sind die die beim Essen beginnen zu kompensieren. Ich bekomme z.B. keine Heißhungeranfälle, weil ich ein bisschen undiszipliniert bin oder mich gehen lassen. Das ist schlichtweg Unsinn.

Also gönne dir jetzt die Aufmerksamkeit, die fehlt, du hast es verdient ehrlich auf dich selbst zu schauen, dich um dich zu kümmern. Und dabei ist es vollkommen egal, wo du geradestehst. Du bist genau da, wo du bist, genau richtig. Es gibt nämlich kein richtig oder falsch, sondern nur Weiterentwicklung. Oder auch: Der Weg ist das Ziel. (Konfuzius)

 

Und wie du siehst, überall auf dem Weg kannst du die Sonne sehen. (10)

So, nach diesen Worten zu Beginn, also zur Bestandsaufnahme.

 

Du hast wahrscheinlich darauf gewartet? Ja. Richtig. Um zu wissen was Sache ist, brauchst du ein Protokoll deiner Ernährung. Hier ist wieder absolute Ehrlichkeit gefragt. Zücke dein Reisetagebuch und beginne mit der Selbstbeobachtung. Du brauchst einen Ist-Stand, um zu wissen, wo du überhaupt bist? Von wo aus die Reise los gehen soll. Denn denke daran, es geht ja um dich. Du entwickelst dich von da, wo du stehst. Von innen nach außen und nicht andersherum.

Also Selbstbeobachtung, hier geht es jetzt um folgende Fragen: Wann esse ich? In welchen Situationen esse ich? Was esse ich? Und äußerst wichtig: Wie fühle ich mich dabei?    

Um ein neues und passenderes Verhalten zu erlernen, muss ich mich damit auseinandersetzen, welche Motivationen und Bedürfnisse zu diesem Verhalten führen.

Dann kannst du hinterher attraktive Alternativen entwickeln und regelmäßig anwenden, die die die Aufgabe des Essens übernehmen. 

Aus diesem Grund schreibe dir alles auf, und zwar mit diesen oben genannten Fragen im Hinterkopf.

So kannst du am besten hinterher mit deinem Esstagebuch arbeiten.

Sieh dir am besten kurz mal das Beispiel an. Das ist zwar fiktiv, aber so ähnlich sehen Essprotokolle oft aus. Schau es dir erst mal an. Dann erkläre ich dir etwas dazu. Somit wird es deutlicher, wie du das Protokoll am besten führst.

 

 

Du siehst. Es ist notwendig alles aufzuschreiben. Wir snacken oft so viel über den Tag und sind so über unsere Sinne (also von außen gesteuert), dass wir gar nicht am Ende des Tages wissen was wir gegessen haben.

Und schon gar nicht aus welchen Gründen. Es ist so spannend ein Esstagebuch zu lesen. Sich selbst auf die Schliche zu kommen. Du entdeckst dabei Gewohnheiten, von denen du nie geglaubt hättest, dass du sie hast. Ich gebe dir mal ein persönliches Beispiel. Ich hätte nie gedacht, dass ich esse, wenn ich müde bin. Das ist mir tatsächlich erst beim Lesen meines eigenen Protokolls aufgefallen. Ich habe tatsächlich an Tagen, an denen ich viel zu tun hatte, mehr gegessen, um durchzuhalten. Irgendwie hatte ich einen Glaubenssatz im Kopf:“ Ich muss erst meine Arbeit erledigen. Ich darf keine Pausen machen.“

Um mir bei Müdigkeitsanzeichen dann Energie zu geben, habe ich immer wieder an diesen Tagen gesnackt. Die Lösung war in diesem Fall ganz einfach: Kurze Pausen, statt kurz snacken. Am Anfang musste ich mich daran immer wieder erinnern. Aber siehe da, an diesen Tagen ging es mir auch abends deutlich besser. Mit kurzen Pausen meine ich z.B.: Mal kurz hinsetzen, atmen, ein Glas Wasser trinken, sich strecken, die Augen kurz schließen, vielleicht auch ein schönes Urlaubsfoto für positive Emotionen ansehen. Kleinigkeiten eben.

Also, ich kann nur dafür plädieren diese Esstagebuch einfach wertfrei und ausführlich zu führen. Du wirst so viel über dich lernen. Auch über anerzogene Gewohnheiten, die eigentlich gar nichts mit dir selbst und deinem jetzigen Leben zu tun haben und dir auch gar nicht mehr guttun.

Das Beispiel oben war übrigens nur ein Aha-Erlebnis von vielen was ich hatte. Über die Jahre habe ich dadurch immer mehr Gewohnheiten, die mir nicht guttun ausgebaut.

Aber es gibt natürlich auch ganz viele positive Gewohnheiten, die wir haben. Diese gilt es auszubauen.

Aber natürlich Schritt für Schritt. Das Leben ist ein Prozess und unsere Ernährung, die sich ja auch immer wieder an unser Leben anpasst, somit auch.

Es geht nicht um das perfekte (das gibt es sowieso nicht), sondern um die Entwicklung, die wir hinlegen. Dieses nie aufgeben, immer weiterkommen, Schritt für Schritt bewusster zu sich selbst und seiner Ernährung finden. Und diese Entwicklung endet im Übrigen nie. Also können wir sowieso nie 100 Prozent sein. Wer das behauptet, hat meiner Meinung nach, schon längst aufgehört sich zu entwickeln.

 

 

Gehen wir jetzt noch einen Schritt weiter mit der Auswertung.

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